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Juli 20, 2005

Reisebericht

Abgelegt unter: Australien — Daniel Schrader @ 13:21

Reisebericht

Eigentlich wollten wir ja nach Australien auswandern, eine kleine Farm kaufen und Selbstversorger werden. Aber 1. kommt alles immer anders und 2. als man denkt.
Wir nahmen an einem Projekt namens WWOOF teil, was soviel heißt wie “Willing Workers On Organic Farms” um zu lernen wie das in Australien gemacht wird. Unsere erste Station war dann in einem Hippie Dorf in einer Hippie Hütte mit Plumsklo und riesengroßen Spinnen. Er sagt, er wäre Selbstversorger und ließ uns 5 Stunden am Tag in seinem Garten schuften und gab uns Reiscracker und Tee zu essen. Schlafen mußten wir in einem dreckigen Bett in einer Hütte deren Wände aus Plastikfolien bestanden….

Also, das mit der Selbstversorgerei wurde nichts und wir kauften uns ein Auto um die eigentliche Reise zu beginnen.

Wir starteten in Brisbane und fuhren Richtung Norden, in die Sonne. Auf dem Weg lagen einsame Strände zum Campen, Saphirschürfgebiete, wunderschöne Nationalparks und natürlich überall die lustigen Australier zum kennenlernen. Wir lernten wie man Brot im Feuer backt, Austern sucht, Australisches BBQ zubereitet, fischt, Kangaroos unterscheidet, ohne Fernseher und Computer leben kann und in der brütenden Hitze überlebt. Das alles passierte in den ersten Wochen unserer Reise in Queensland. Bis dahin wußten wir gar nicht das wir den Kontinent einmal umrunden wollten. Eines Tages, nach dem Früstück (Wheeetbix mit Milch und Schokoladenpulver) beschlossen wir einfach aufzubrechen und nach Westen zu fahren.

Zum Northern Territory fällt mir ein: heiß. Es ist dort so heiß, das man die Hand aus dem fahrenden Auto halten kann und diese wärmer wird weil die Sonne heißer brennt als der Schweiß kühlen kann. Aufgrund dessen verbrachten wir nur 3 Wochen in diesem Staat. Wir hatten keine Kühlschrank und kein Geld für einen, also mußten wir das teewarme Wasser aus unseren Plastikkanistern trinken. Krokodile haben wir nicht gesehen, aber Aboriginal Paintings aus einem Kanu und vieles mehr.

Wir packten einfach unsere Sachen und weiter gings in Richtung Westen. Vorbei an der Gibb River Road, den Bungle Bungles, verrückten Outback Dörfern und immensen Sprit preisen, direkt zum indischen Ozean nach Broome. Als wir zum ersten mal das türkise Meer (so viel Wasser) sahen verschlug es uns glatt die Sprache. Jetzt ging es wieder Richtung Süden, durch Western Australia. Wegen einem kleinen Unfall mußten wir ca. einen Monat in Port Hedland verbringen und dort lernten wir die Outback Mentalität so richtig kennen. Wir trafen dort so richtig kaputte Menschen. Vom räubernden und überfallenden Aboriginal über die Arbeitslosen Spinner bis zu den prügelnden Cops war alles dabei. Die Cops haben während unseres Aufenthalts in Port Hedland einen Tramper erschoßen, weil er mit einem Schraubenzieher bewaffnet war und nicht anhaltende Autos mit Steinen bewarf.

Aber als wir dieses schreckliche 8000 Seelendorf hinter uns ließen, ging es uns schlagartig wieder gut. Wir konnten gar nicht schnell genug wegkommen und so fuhren wir schnurstracks in 2 Tagen bis nach Monkey Mia (über 1500 Km entfernt). Dort hatten wir die Gelegenheit wilde Delfine am Strand zu füttern und beobachten. Auch in dieser Gegend liegt Shell Beach, ein Strand welcher nur aus kleinsten weißen Muscheln besteht. Das Wasser ist unsagbar klar wie man sich vorstellen kann, und ebenfalls hier haben wir auch die älteste Lebensform der Erde, Stromtoliten, gefunden. Die Hitze war aber noch immer fast unerträglich und so eilten wir weiter in Richtung Perth, dem Modemecka Australiens. Dort fanden wir an unzähligen Raststätten paradiesische Flora und Fauna vor, wie man sie sich nicht vorstellen kann. Alles blühte und lag in den schönsten Farben. Einzig die Heerscharen von Fliegen taten dem einen kleinen Abbruch.

Um Perth herum sind herrliche Erholungsgebiete, entlang der Flüße und Wasserlöcher. Auch die besten Weinanbaugebiete findet man hier südlich von Perth. Die Küsten sind malerisch und auch das Landesinnere ist gerade für uns Europäer interessant. Das Klima hier lädt zum ganzjährigen Erholen ein und man findet gratis Campplätze zu hauf. Sogar vom Staat gestellte (gratis) Wanderhütten, die zum Teil auch mit dem Auto erreichbar sind, laden hier zu 3 tägiger Rast ein. Die ortsansäßigen Ranger haben uns immer gerne die schönsten Plätze zum campen verraten, die man sonst vermutlich nie finden würde.

Nun, am süd-westlichsten Zipfel Australiens angelangt blieb uns nur der Weg nach Osten. Durch das Valley of Giants, mit seinen Mammut Bäumen und vielen Naturschönheiten gelangten wir nach Esperance, wo uns leere Strände mit herrlichen Ausblicken erwarteten. Diese Plätze nutzten wir zur Erholung, denn uns standen harte,langweilige, staubige Kilometer bevor. Vor uns lag zum Beispiel die längste gerade Strecke Australiens und die Nullabour-Ebene. Der Name Nullabour kommt vom lateinischen und bedeutet “Kein Baum”. Man findet auf einer Strecke von 1000 Km keinen einzigen Baum, was sich an entsprechend starken Küsten- und Wüstenwinden bemerkbar macht. Manche mag das begeistern, aber wir fanden es eher langweilig dort.

Wir fuhren die Küstenlinie des Kape Penninsula ab, welches ebenfalls reprästentativ für das Outback steht, und erreichten sehr bald Adelaide. Dort fanden wir einen herrlichen Campingplatz, der in einem Naturschutzgebiet und doch in der Stadt selbst lag. Wilde Koalas erschreckten uns in der ersten Nacht da wir dachten, wir hätten es mit Bären oder Wildschweingegrunze zu tun. Der Staat South Australia gefiel uns aber nicht allzu sehr da hier sehr viel Weizen angebaut wird und alles was nicht bebaubar ist Wüste ist. Deshalb veließen wir den Staat schnell und fanden uns in Victoria wieder. Hier fanden wir schon beim überschreiten der Bundesstaatsgrenze Plätze die der deutschen Umgebung recht ähnlich sind. Große Nadelwälder aber auch Vulkanlandschaften prägen hier das Bild. Es gibt einen Küstenstreifen namens “The Great Ocean Road” der so unsagbar schön ist, daß man sich eigentlich mehrere Tage Zeit alleine dafür nehmen sollte. Fotos dazu sind in dem Fototeil.

Nun wollten wir einen gemütlichen Platz für eine angemessene Jahrtausendfeier (im kleinen Kreise nämlich nur mit uns zweien) finden und fanden in den Grampians unser Ziel. Es gibt hier Campplätze wo bezahlt werden muß aber auch unendlich viele Campstellen, die man sich selber machen darf. Wir fanden ein Plätzchen an einem Fluß und mit ausreichend Lagerfeuerholz und warteten gespannt auf den Computercrash des Jahreswechsels. Ein wenig Enttäuscht, aber auch froh daß nichts passiert war, gingen wir, nachdem wir zahlreiche Bekanntschafetn im Nirgendwo gemacht hatten, weiter zum Alpine Nationalpark. Dort gibt es klasse Grundstücke mit Hütten (100.000 DM) zum kaufen und wenn man sich in Australien ansiedeln will sollte man sich dieses Gebiet einmal näher anschauen. Unter anderem entdeckten wir hier den ersten wilden Wombat, einem lustigen Tier welches jeder Beschreibung trotzt.

Dann kamen die Blue Mountains mit ihren ausgedehnten Touristischen Attraktionen, aber auch unentdeckten Gebieten. Hier konnten wir in der Nacht einen Wombat beim futtern beobachten, lernen wie man Flüße mit einem normalen Auto durchquert und die Natur in vollen Zügen genießen. Sogar einen Einsiedler lernten wir kennen, der den Garten voll mit halbzahmen Possums und Kangaroos und Wombats hat. Von diesem (uns heiligen Platz) haben wir keine Bilder gemacht um erstens alles in lebendiger Erinnerung zu halten und zweitens niemandem nähere Hinweise auf den besten Platz in Australien zu geben. Sorry…

Aber auch die schönste Zeit geht irgenwann vorbei und vor allem das lange gesparte Geld zu Ende. Darum mußten wir das letzte Stück unserer Reise antreten. Wir entschloßen uns den Weg über Canberra, Australiens Hauptstadt, zu nehmen und wurden mit einem kulturellem Hochzentrum belohnt. Staatsmuseen, Staatsbibliotheken, Australian Day, Kriegsdenkmal, Architektur in Vollendung, Naherholungs Naturschutzgebiete, die intelektuelle Elite des Landes, Politische Institutionen (z.B. Parlamentsgebäude), Kunst und Künstler, Wissenschaft und Forschung und die beste Milch Australiens, all das ist Canberra. Man könnte hier alleine Monate verbringen, da die Stadt alles andere als australientypisch ist. Gerade das anderst sein zeichnet Canberra aus und ist Pflicht beim Besuch Australiens.

Die letzte Etappe (wir umgingen Sydney mit all seinem Streß und Weltstadt Millieu) führte uns nach Surfers Paradise, wo uns erstmals in Australien eine Touristen Metropole begegnete. Surfer- und Badestrände, Spielhallen, Shoppingcenters, Hotels und alles was man vom Süden Europas her kennt und vom Urlaub erwartet findet man hier. Hier fanden wir so viele Hochhäuser wie sonst nirgends in Australien. Diese ziehen sich über einen Küstenstreifen von 30 Km Länge und ergeben einen absolut untypischen australischen Kontrapunkt.

Zurück in Brisbane
Heimflug ins kalte (5 Grad) Frankfurt im T-Shirt.
Kulturschock!

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